Das Helikoptergeld der Europäischen Zentralbank

Stefan Leu

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Das Helikoptergeld der Europäischen Zentralbank

Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht seit der Finanzkrise im Jahr 2008 ihre Wirtschaft mit einer unvergleichbaren Geldschwemme wieder anzukurbeln. Mit mässigem Erfolg.

Mit dem Programm „Quantitativ Easing“ kauft die EZB momentan den Geschäftsbanken und anderen Institutionen Staatsanleihen ab. Für den daraus resultierenden Gelderlös bezahlen die Banken auf ihren Konten bei der Europäischen Zentralbank einen Minuszins von 0.4 %. Dadurch sollten die Banken motiviert sein, dieses Geld mittels Krediten an Private und Unternehmen in die Wirtschaft zu leiten, um den Konsum wieder anzukurbeln. Nur, die Banken erachten die Kreditwürdigkeit der Unternehmen und Private als zu gering und sitzen lieber auf ihrem teuren Geld. Auf der anderen Seite sind die Privaten aufgrund wirtschaftlichen Unsicherheit mit dem Konsum sehr zurückhaltend und die Unternehmen mit neuen Investitionen ebenfalls. Ein Teufelskreis getrieben von Misstrauen.

Milton Friedmans Theorie

Und nun stellen Sie sich mal vor, dass eines Tages ein Zentralbank-Helikopter über Ihrer Gemeinde kreist und es Geld regnen lässt. So würde eine Zentralbank die eigentliche Aufgabe der Banken als Geldvermittler einnehmen und Geld direkt an die Bürger verteilt. Der Urvater dieser Idee ist übrigens der Nobelpreisträger und US-amerikanische Wirtschaftswissenschafter Milton Friedman (1912 – 2006). Weil die Milliarden, die die Zentralbank in das Finanzsystem gepumpt hat, kaum in der Realwirtschaft ankommen, könnten die Notenbanken einfach Geld an die Bürger verteilen– gratis und ohne Gegenleistung. Die Bürger würden gemäss Lehrbuch das Geld ausgeben. Dadurch könnte die Konjunktur an Schwung gewinnen, die Preise steigen und die befürchtete Deflationsspirale würde besiegt werden. Dies die Theorie.

So einfach, wie es Friedman beschrieben hat, ist es in der Praxis allerdings nicht. Man kann nicht einfach Geld vom Himmel regnen lassen. Eigentlich war es nur eine Frage eines Reporters an den EZB-Präsidenten Mario Draghi, was er von Helikoptergeld halte. Die Antwort „ein interessantes Konzept“ kam aber einem Erdbeben gleich. Die EZB setzt sich offenbar mit ähnlichen Gedanken auseinander.

Praktische Möglichkeiten

Nach der Finanzkrise hat die US-Regierung von der US-Notenbank (FED) 100 Milliarden USD geliehen. In Form einer Steuerrückerstattung hat die Regierung folglich Checks über durchschnittlich USD 950.– an 70 Millionen Haushalte zugestellt. Eine weitere Variante wäre, dass EU-Bürger bei Banken ein Konto eröffnen. Automatisch würde darauf ein Betrag überwiesen werden, welche die Kontoinhaber innerhalb einer nützlichen Frist beziehen müssten. Gratis.

Aber …

Es gibt auch diverse Gegenargumente. Grundsätzlich ist es sehr gefährlich, wenn Zentralbanken einfach Geld verschenken anstatt zu verleihen. Zudem ist es nicht der Auftrag einer Zentralbank, die Aufgabe der Banken zu übernehmen und als direkte Geldvermittlerin aufzutreten. Die Menschen würden zudem erfahren, dass sie für Geld nicht mehr arbeiten müssten. Sie hofften, dass die Notenbank diese Gratisaktion wiederholen würde. Der Druck durch die Wähler auf die Politik würde ansteigen. Und schlussendlich entstünden grosse Unsicherheiten in Bezug auf die Inflationsentwicklung einer Wirtschaftsregion.