„Aktiv“ versus „Passiv“

Stefan Leu

Stefan Leu
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„Aktiv“ versus „Passiv“

Wenn heute Abend die Radiomoderatorin über die Tagesentwicklung der Schweizer Börse spricht, nimmt Sie Bezug auf den Kursgewinn oder Kursverlust des Swiss Market Index (SMI). Wieso gibt es überhaupt Aktienindizes? Wie ist ihre Aussagekraft? Was sind für Sie als Anleger die Vor- und Nachteile, wenn man in diese Geld investiert?

Es war der 1. Juli 1988, als der Swiss Market Index (SMI) ins Leben gerufen wurde. Der SMI wiederspiegelt die Wertentwicklung der zugrunde liegenden 20 grössten börsenkotierten Schweizer Unternehmen. Gestartet hatte der Index mit 1‘500 Punkten. Am 28.2.2017 lag er bei 8‘520 Punkten. In den vergangenen fast 30 Jahren konnte man also mit einer Investition in den SMI sein Geld rund versechsfachen. Der Index ist somit ein guter Gradmesser, wie sich bestimmte Aktien innerhalb einer gewissen Zeit entwickeln.

Der Grund für die Einführung war u.a. auch, die Leistungen von Vermögensverwaltern und Fondsmanagern messen zu können. Erzielt ein Anlagespezialist am Schweizer Aktienmarkt nach Abzug seiner Kosten einen höheren Ertrag als der SMI, wird er gefeiert. Falls nicht, muss er mit der Kritik von Anlegern umgehen können.

Und jetzt fragen Sie sich nun sicher, wie es um Ihren eigenen Aktienfonds so steht. Performt er besser oder schlechter als sein Benchmark (Vergleichsindex)? Das Resultat ist ziemlich sicher ernüchternd: Eine aktuelle Untersuchung aus den USA zeigt deutlich auf, dass 99 %(!!) der von Fondsmanagern aktiv gemanagten Fonds den S&P500 (US-Aktienindex) nicht übertreffen. Aehnlich mies sieht es Global aus. Der Schweizer Finanzprofessor Erwin Heri schätzt die Anzahl der Geldmanager, welche schlechter als ein Aktienindex investieren, auf 75 %.

„Wenn es schon nicht gelingt, die Indexe zu schlagen, dann kehren wir den Spiess um und beginnen in Indexe selbst zu investieren“. Dies sagte John Bogle. Er ist Gründer der bekannten Fondsgesellschaft Vanguard. Bei passiven Fonds geht es nur darum einen Aktienindex nachzubilden. Da mit diesen Anlagen auf einen Fondsmanager im eigentlichen Sinn verzichtet werden kann, sind die Kosten dafür auch viel tiefer (um bis zu 1.5 % pro Jahr tiefer Kosten).

Trotz der klaren Vorteile von passiven Anlageinstrumente gegenüber den aktiv gemanagten, weisen auch diese Nachteile bzw. Risiken auf. Die meisten Aktienindexe (Dow Jones Index, DAX, Euro Stoxx50, Nikkei, SMI …) sind kapitalgewichtet. Das bedeutet, dass nur die „grössten“ Unternehmen Zugang zu den zahlenmässig begrenzten Indexen bekommen. Zudem ist die Gewichtung der Unternehmen ungleich. Besonders beim SMI ist dies sehr ausgeprägt. Die grossen drei Bigplayer Nestlé (23 %), Roche (19%) und Novartis (19%) machen rund 60 % des SMI aus. Ein enormes Klumpenrisiko in Pharma und Nahrungsmittel. Daraus lässt sich auch der im internationalen Vergleich schwache Verlauf des Swiss Market Index erklären. Ein Börsenhöhenflieger wie z.B. Geberit brauchte Jahre, wie das Unternehmen aufgrund seiner Kapitalisierung in den SMI aufgenommen wurde. Und auch heute ist der Anteil mit 1.4 % minim.

Es ist wichtig, dass man vor der Investition in ein passives Anlageinstrument, die Gewichtung studiert und allenfalls mit weiteren passiven Anlageinstrumenten eine breite Diversifikation erreicht. Als Alternative zum SMI empfehle ich Ihnen eine Investition in den meist noch unbekannten Swiss Leader Index (SLI). Dieser Index investiert in 30 Schweizer Unternehmen und hat die Vorgabe, dass ein Unternehmen nicht mehr als 9% gewichtet werden kann.