SN-Artikel: Zukunftsgerichtet seit 200 Jahren

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Der Direktor der Ersparniskasse Beat Stöckli kümmert sich persönlich um die Jubiläumsvorbereitungen der Bank.
Bild: Jeannette Vogel

Die durchschnittliche Lebensdauer einer Zehnernote beträgt rund drei Jahre, diejenige einer Hunderternote sieben Jahre. Die Schaffhauser Ersparniskasse gibt es seit 1817. Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Bank ihren 200. Geburtstag feiern kann.

Der amtierende Direktor der Ersparniskasse, Beat Stöckli, ist der zehnte in der Geschichte der ältesten Schaffhauser Bank. Stöckli kümmert sich zusammen mit Corinne Wüthrich, Assistentin der Geschäftsleitung, seit Wochen um die Jubiläumsvorbereitungen: «Es ist eine schöne und kreative Zusatzaufgabe. Sie erfordert allerdings auch viel Zeit», sagt der Vorsitzende der Geschäftsleitung.

In einem Monat, am 19. Mai, wird die Geburtstagsfeier stattfinden, gleichzeitig wird eine Chronik von Verfasser Adrian Knöpfli veröffentlicht. Ein Jubiläumskonzert folgt am 30. Mai. Der Abschluss der Feierlichkeiten wird das Münsterplatzfest am ersten Juni sein. Zum Fest – an dem alle 40 Mitarbeiter im Einsatz stehen werden – ist die Öffentlichkeit eingeladen, Speis und Trank werden offeriert. Details werden noch nicht verraten, aber: «Wir lassen uns das Jubiläumsjahr etwas kosten», sagt Stöckli. Die übrigen Engagements würden nicht gekürzt.

Die Welt verändert sich ständig

«Trotz Wirtschaftskrisen und Weltkriegen – und gibt es noch», sagt Bankdirektor Beat Stöckli. Eine grosse Anpassungsfähigkeit habe die Ersparniskasse Schaffhausen in zwei Jahrhunderten bewiesen: «Wir leben in einer Welt, die sich ständig verändert. Doch nicht nur die Bank hat sich komplett verändert, auch die Kunden und vor allem deren Erwartungen», so Stöckli weiter. Der Erfolg der Bank basiere auf Erfahrung, Wissen und dem steten Blick in die Zukunft: «Wir unterscheiden kurzfristige Trends von längerfristigen Entwicklungen. An Ersteren müssen wir nicht partizipieren, längerfristige Entwicklungen können jedoch unser Geschäftsmodell direkt beeinflussen», sagt Stöckli. Nur wenige Banken habe so lange überlebt: «Unsere Ersparniskasse mit ihrer 200-jährigen Geschichte ist sicher eine von ganz wenigen landesweit», sagt Stöckli.

Das Jahr 2017 bringt weitere Jubiläen: Urs Werz, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung, ist seit 35 Jahren bei der Ersparniskasse. Stefan Leu, Filiale Weinland, ist seit einem Vierteljahrhundert dabei.

Ersparniskasse Meilensteine in 200 Jahren

1988 wurde die Panzerglasscheibe, die bis dahin Bankmitarbeiter und Kunden trennte, deinstalliert. Geld aus der Wand gab es ab 1978,mit dem ersten Geldautomaten. Am Anfang des Zweiten Weltkrieges, 1939, wurden die Wertbestände der Bank in die Innerschweiz verlagert. Dies geschah angesichts der Gefahr, dass Schaffhausen preisgegeben werden könnte. 1914, zu Beginn des Ersten Weltkrieges, erhielten erstmals zwei Frauen die Prokura. 1850 wurde – im Zuge der Münzreform – landesweit der Schweizer Franken eingeführt. Die um sich greifende Verschuldung mündete 1817 in die Gründung von Hülfsgesellschaften und Banken. Im Frühling wurde die «allgemeine zinstragende Ersparnis-Cassa», die heutige Ersparniskasse, gegründet. 1816 war das Jahr ohne Sommer. Der Grund war ein Vulkanausbruch im heutigen Indonesien. Dieser hatte fatale Folgen für das Klima in Europa und brachte Dauerregen, Missernten, Hungersnöte und extreme Teuerungen.

Die 1741 gegründete St. Galler Wegelin & Co. galt bis zu ihrer faktischen Auflösung im Jahr 2012 als älteste bestehende Schweizer Bank.

Artikel: Jeannette Vogel