Talfahrt der Aktienbörsen – Gründe und wie weiter

Stefan Leu

Stefan Leu
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Talfahrt der Aktienbörsen – Gründe und wie weiter

Mit 1‘600 Punkten verzeichnete der US-Aktienindex Dow Jones Industrial Average am Montag, 5.2.2018, den grössten Punkteverlust in der 133jährigen Geschichte. Läutete dieser „schwarze Montag“ das Ende des längsten Börsenaufschwungs ein?

 

Kurz nach 14.00 Uhr New York Ortszeit begann am Montag der Ausverkauf. Der Dow Jones raste innerhalb von kürzester Zeit um 1‘597 Punkte (Minus 6 %) in die Tiefe. Am Ende des Börsentages beruhigte sich die Lage wieder etwas und der Index kam mit rund 1‘100 Punkten oder 4.6% tiefer zu liegen. Durch die Kursverluste wurden an einem einzigen Börsentag 1.2 Billionen US-Dollar vernichtet, was etwa der Australischen Wirtschaftsleistung für 1 Jahr entspricht.

 

Gründe für den Kurszerfall

 

Die Inflationsbedenken sind wohl die Hauptgründe für die weltweite Abschwächung der Börsen. US-Wirtschaftszahlen zeigten am Wochenende einen unerwartet hohen Anstieg der Löhne. Lohnerhöhungen sind ja grundsätzlich etwas Gutes, trotzdem sorgten sie an den Aktienbörsen für Panik. Höheres Einkommen bedeutet auch, dass die Preise der Alltagsgegenstände ansteigen. Um eine drohende Preisspirale nach oben zu bremsen, können die Notenbanken die Leitzinsen erhöhen. Dieser Schritt würde neben dem Spareffekt der Menschen, auch die Kapitalkosten von Unternehmen erhöhen. Das hätte tiefere Unternehmensgewinne und Aktienkurse zur Folge. Zudem werden aufgrund der höheren Zinsen, Umschichtungen von Aktien in Zinspapiere erwartet. Und zu guter Letzt sind die Börsen auch ganz einfach den psychologisch bedingten Herdentrieben der Anleger ausgesetzt.

 

These 1 – Die Korrekturphase hält an

 

Wir konnten die vergangenen Jahre beobachten, wie die Börsen Jahr für Jahr an Wert zulegten. Stand der Dow Jones Anfang 2009 noch bei 7‘060 Punkten, wies er am 1. Januar 2018 26‘100 Punkte aus. Einige Marktteilnehmer erkennen darin vielleicht zurecht eine Blasenbildung, die nun zu platzen scheint. Die Bewertungen der Unternehmen sind demnach auch weniger getrieben vom Geschäftsgang sondern aufgrund des vorherrschenden Anlagenotstands als Folge der Nullzinspolitik. Wenn jetzt die Notenbankchefs aufgrund der drohenden Inflation die Zinszügel deutlich anheben, könnte eine längere Korrekturphase Einzug halten.

 

These 2 – -„Back to normal“

 

Rückschläge gehören bei Börsenaufschwüngen einfach dazu. Es muss mal wieder „Luft“ rausgelassen werden. Und wenn sich, wie in den vergangenen 2 Wochen, gewisse Informationen, Gefühle und Gerüchte bei den Marktteilnehmer häufen, realisieren diese kurzfristig und in geballter Ladung Gewinne. Ausser dem Schreckensgespenst Inflation und der damit allenfalls verbundenen Zinserhöhung, drücken absolut keine negativen Schlagzeilen aus der Wirtschaftswelt auf die Börsenstimmung. Die globale Wirtschaft wird auch dieses Jahr rund 3.2 % wachsen. Die soliden Erwartungen aus USA, Asien und Europa stimmen dabei besonders positiv. Es ist auch nicht zu erwarten, dass die Notenbanken die Zinsen derart stark anheben werden, um damit das Wirtschaftswachstum deutlich abzuschwächen.

 

Klar, solche Kursrückschläge erschrecken die Anleger. Trotzdem erachte ich die zweite These als realistischer und bin fürs Börsenjahr 2018 weiterhin positiv gestimmt.