Der Handelsstreit und die Börsen

Der Handelsstreit und die Börsen

Die Finanzmärkte hassen nichts mehr als Unsicherheiten. Und die gab es im vergangenen Jahr zuhauf. Neben den kleineren Schauplätzen, wie z.B. einer populistischen Politik Italiens oder der seit über 10 Jahren versagenden Wirtschaft in Frankreich, wirft der Handelsstreit zwischen den USA und China einen immer grösseren Schatten auf die Weltwirtschaft. Unsicherheit und Angst über das Wachstum der Konjunktur macht sich breit. Als Folge sackten die weltweit grössten Aktienbörsen im letzten Quartal 2018 deutlich ab. Der Swiss Market Index (SMI) verlor zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember 8 %, der Dow Jones Industrial Index 12 % und der Deutsche Aktienindex (DAX) verlor sogar 14 %.

Im Konflikt zwischen China und den USA könnte es nun aber Bewegung geben. Seit Montag befindet sich eine US-Delegation in Peking für «aktive und konstruktive Gespräche». Zudem ist für China eine Einigung bitter nötig. Dies zeigt das Verhältnis der Verhandelnden: Die USA senden lediglich den stellvertretenden Handelsbeauftragten Jeffrey Gerrish in die Gespräche wobei China gleich mit Vizepremier Liu He auffährt. Falls keine Fortschritte zur Beilegung der Handelsstreitigkeiten erzielt werden, drohen in 50 Tagen sämtliche US-Einfuhren aus China mit Strafzöllen belegt zu werden. Dies würde Waren in der Höhe von einer halben Billionen Dollar betreffen und das hätte negative Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft. Die Finanzmärkte sind daher in diesen Tagen sehr nervös.

Die Unsicherheiten sind momentan auf beiden Seiten des Pazifiks vorhanden, aber tendenziell grösser auf chinesischer Seite. Die Hinweise auf eine rasche Konjunkturabkühlung in China mehren sich. Zwar wuchs die Wirtschaft im Jahr 2018 weiterhin stark an um 6.5 % (2017 6.9 %). Trotzdem reagierte die chinesische Zentralbank, indem sie die Mindestreserven der Banken gesenkt hat. Dieser Schritt soll die Banken animieren, vermehrt Kredite an Unternehmen zu vergeben. Zudem kündigte die Regierung Steuersenkungen an.

Die USA zeigt sich selbstbewusst und ist gemäss Präsident Trump siegesgewiss. Die chinesische Wirtschaft «laufe nicht gut» und die Sonderzölle seien für China schmerzhafter als für die USA. Zudem kassiere der US-Zoll Milliarden an Abgaben aus den Importen aus China. Dass diese Kosten letztendlich auf die Verbraucher in den USA gehen, erwähnte er nicht.

Für beide Nationen und auch für die gesamte Weltwirtschaft ist es wichtig, dass der Handelsstreit baldmöglich beigelegt oder zumindest nicht ausgeweitet wird. Dies würde zu einer starken Erholung der Finanzmärkte führen und die Verluste der letzten 3 Monaten wettmachen. Die nächsten Wochen werden es weisen.

Stefan Leu

Stefan Leu
Prokurist, Filialleiter

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